Katrin Eigendorf, was haben wir bei Russland übersehen?

Shownotes

Katrin Eigendorf geht dorthin, von wo andere fliehen. Sie berichtet aus den Krisen- und Kriegsgebieten dieser Welt und sucht dabei stets die menschliche Komponente in ihren Beiträgen.

Als ehemalige Russland-Korrespondentin in der Zeit von Boris Jelzin stellt sie sich heute die Frage, was sie damals übersehen hat. Denn das Russland von heute „ist nicht aus dem Nichts gekommen“. Sie berichtet von ihrem Leben in einem Russland, in dem die nationalistische Haltung allgegenwärtig war, und trotzdem die Hoffnung auf eine demokratische Zukunft den Blick darauf verstellte.

Vierte Gewalt: Unabhängig, aber nicht kühl

Es geht auch um ihre Rolle als Journalistin. Wieso sie sich nie gemein macht mit denen, über die sie berichtet, und wie wichtig ihr die Rolle als vierte Gewalt ist. Trotzdem hindert sie das nicht daran, den Blick abseits der üblichen Perspektiven zu setzen – ganz im Gegenteil.

Katrin Eigendorf fühlt sich der Wahrheit verpflichtet. Und die findet sich nicht in der Bestätigung von Stereotypen. Die Wahrheit zeigt sich, wenn sie mit Frauen in Kabul spricht und erfährt, dass ihre Entrechtung eben nicht nur an den Taliban liegt. Auch das gehört zur Wahrheit dazu.

Desinformation ist für sie eine der größten Gefahren, nicht nur wegen KI. Bereits früher ebneten falsche Behauptungen über die Ukraine die Legitimation für den späteren Einmarsch. Behauptungen, die teils heute noch kolportiert werden, so Eigendorf.

Die Menschlichkeit im Unmenschlichen

Im Podcast geht es nicht nur um ihr Selbstverständnis, sondern auch um die Rolle des Journalismus allgemein. Und um die Frage, welche Rolle sie in all der Berichterstattung spielt und spielen darf.

Das alles hindert sie nicht, das Beeindruckende und Menschliche zu sehen: eine Architektin, die nach Syrien zurückkehrt, um historische Gebäude wiederaufzubauen, oder die frierenden Nachbarn in der Ukraine, die in den 17. Stock gehen, um den Alten zu helfen. „Etwas, von dem wir viel häufiger erzählen müssten“, sagt Katrin Eigendorf in diesem Fränkischen Talk Spezial.

Beim Bamberger Literatur-Festival BamLit las sie aus ihrem neuen Buch „Erzählen, was ist: Berichten am Limit in einer Zeit der Kriege“. Teile des Gesprächs und die Passagen aus der Lesung veröffentlichen wir heute als „BamLit“-Spezial.

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